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Potsdam, 03.09.2019

Tag des offenen Denkmals: Die Pharmazeutische Fabrik Taeschner


Landeshauptstadt Potsdam

Nach der Sanierung im Jahr 2009 und der damit verbundenen Umgestaltung zur Seniorenresidenz öffnet das Kurfürstenstift am 8. September 2019 erstmals zum Tag des offenen Denkmals seine Tore und lädt interessierte Besucherinnen und Besucher dazu ein, die verschiedenen Bau- und Umbauphasen des Ortes zu entdecken. Vor allem die Züge der Moderne werden hier durch die Umbaumaßnahmen von 1926 durch den Schweizer Architekt Otto Rudolf Salvisberg verdeutlicht.

Das weite Gelände zwischen der Behlertstraße, dem Heiligen See und dem Bassinplatz war ursprünglich ein Sumpfgebiet mit der Bezeichnung Witam („Weidendamm“). Ende des 18. Jahrhunderts gehörte der Witam zum Besitz der Familie Ritz-Lichtenau. Das nach der Gräfin Lichtenau benannte Palais ist noch heute in der Behlertstraße 31 zu finden. Spätestens Ende des 19. Jahrhunderts ließ der Seidenfabrikant Stieff angrenzend an das Grundstück des Palais Lichtenau in der heutigen Behlertstraße 29 eine Seidenfabrik errichten. 1831 zog die Firma Pignol & Heiland in das noch heute in seiner Grundstruktur erhaltene Fabrikgebäude. Ursprünglich handelte es sich hierbei um ein freistehendes, dreigeschossiges Gebäude mit 21 Achsen und westlich angebautem Treppenhaus. Der Innenraum war in Längsrichtung gegliedert, die Mittelachse bildete dabei der zentrale Flur. Nach jeweils sieben Querachsen befand sich eine tragende Wand, wodurch im Grundriss drei gleichgroße Räume entstanden.
Im Jahr 1850 ließ die Firma im östlichen Teil des Gebäudes Wohnungen einrichten. Die Fassade dieses Gebäudeteils erhielt Ende des 18. Jahrhunderts eine spätklassizistische Überformung. Es folgten weitere Umbauten im Inneren, die aufgrund der fortschreitenden Industrialisierung mehr Platz für neue Anlagen bieten sollten.

1925 kaufte die Berliner Familie Taeschner das Grundstück, um dort eine pharmazeutische Fabrik zur Hustensaftherstellung einzurichten. Fortan wurde das bekannte Hustenmittel „Pertussin“ hergestellt, das bis heute unter denselben Namen erworben werden kann.
Der Eigentümerwechsel verband sich mit umfassenden Umbaumaßnahmen. Die prominenten Architekten Otto Rudolf Salvisberg und Paul Baumgarten wurden damit beauftragt, das Gebäude für die neue Nutzung umzugestalten. Der bis heute erhalten gebliebene konstruktivistische Charakter des Gebäudes ist ihnen zu verdanken.

Der Schweizer Architekt Otto Rudolf Salvisberg schloss 1904 seine Bauzeichnerlehre mit Auszeichnung in Biel ab, woraufhin er an die Technische Hochschule in München wechselt. Bereits 1905 fand er Anstellung bei den namhaften Architekten Robert Curjel und Karl Moser in Karlsruhe. 1908 zog er weiter nach Berlin, kehrte allerdings während des ersten Weltkrieges wieder in die Schweiz zurück. Nach kurzem Militärdienst wurde er entlassen und konnte sich schließlich 1914 selbstständig machen. 1917 gelang ihm zusammen mit seinem guten Freund Otto Brechbühl der Durchbruch: Mit der Erweiterung der Gartenstadt Staaken machen sie sich im Siedlungsbau einen Namen. Der 1900 in Tilsit geborene Architekt Paul Baumgarten arbeitete nach seinem Studium zunächst bei Mebes & Emmerich in Berlin, bis er sich 1932 selbständig machte. 1942 wurde er Hochschullehrer an der Hochschule der Künste Berlin. In der Nachkriegszeit wurde er dort zum Professor berufen und bekam unter anderem den Auftrag zum Wiederaufbau des Reichstagsgebäudes.

Salvisberg und Baumgarten entfernten den westlichen Treppenhausvorbau und ersetzten ihn durch einen Neubau, der hinter der Bauflucht des ursprünglichen Baukörpers liegt und der zusammen mit dem ebenfalls zurückgesetzten Laboratoriumsbau auf der Südwestseite eine künstlerisch wertvolle und großzügige Einheit bilden sollte. Der Laboratoriumsbau hat als geometrisches Gegenstück zum Wohnteil des Gebäudes vertikal angeordnete Fenster, die sich über drei Etagen erstrecken. Daran fügt sich das ehemalige Garagenhaus an, welches eine Wohnung für den Kraftfahrenden beinhaltete. Des Weiteren wurde mit dem Umbau die 1895/6 hinzugefügte Überformung der Ostfassade entfernt und der Bau erhielt so seine Einheitlichkeit zurück. Im Innenraum der vermutlich durch Salvisberg und Baumgarten gestalteten Wohnungen finden sich bis heute die von ihnen entworfenen Türrahmen, Wandeinlässe und Fresken.

Die Produktion der Familie Taeschner wurde 1951 verstaatlicht. Im Jahr 1971 zog der volkseigene Betrieb VEB Präzisionsschlösser dort ein und nach 1998 wurde das Gelände von der Firma BAB-Ikon Zylinderschlösser übernommen, die dort bis 2005 produzierte. Von 2007 bis 2009 wurden die ehemalige Fabrik Taeschner und die später angefügten Plattenbauten als Seniorenresidenz ausgebaut. Das „Kurfürstenstift“ erfreut sich großer Beliebtheit auch aufgrund seines historischen Zeugniswertes. Das ehemalige Garagenhaus beherbergt heute den Empfang und das Café.

Das Kurfürstenstift ist am Tag des offenen Denkmals von 10 bis 18 Uhr geöffnet und gibt allen interessierten Besucherinnen und Besuchern die Möglichkeit, den Bau näher zu erkunden. Um 14 Uhr spielt ein Ensemble des Filmorchesters Babelsberg im Innenhof ein Konzert und lädt alle Musikliebhaber zum Verweilen ein. Um 15 und 16 Uhr führt der Architekt Eric van Geisten durch die denkmalgeschützte Anlage.

Das vollständige Programm zum Tag des offenen Denkmals 2019 ist ab sofort in der Unteren Denkmalschutzbehörde Potsdam, im Bürgerservice, und online als PDF unter www.potsdam.de/event/tag-des-offenen-denkmals erhältlich.

Potsdam, 03.09.2019

Veröffentlicht von:
Landeshauptstadt Potsdam

Info Potsdam Logo 2019-09-03 11:53:27 Vorherige Übersicht Nächste


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